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Der Text in 1. Korinther 15,29 wirkt auf den ersten Blick so, als könnte man sich stellvertretend für eine andere Person taufen lassen, die schon verstorben ist. Wenn das so wäre, könnte eine Person, die im Unglauben gestorben ist, nachträglich noch zu einem Kind Gottes werden. Eine ähnliche Auffassung steht auch hinter dem Abhalten von Totenmessen. Der lebende Gläubige kann angeblich dem bereits Verstorbenen noch dazu verhelfen, näher zu Gott zu kommen. Finden wir in 1. Korinther 15,29 die biblische Rechtfertigung dafür?
Wenn man 1. Korinther 15,29 so verstehen würde, käme man mit etlichen anderen Aussagen der Schrift in Konflikt. Die Bibel ist eindeutig darin, dass man sich zu Lebzeiten für den Glauben entscheiden muss (2. Korinther 5,10). Außerdem wird betont, dass jeder selbst für sein Leben verantwortlich ist. Keiner kann einen anderen durch seinen stellvertretenden Glauben retten oder ihm Verdienste zukommen lassen (Hesekiel 18,19.20). Verdienste sind es ohnehin nicht, die irgendjemanden erlösen, sondern allein eine persönliche Glaubensentscheidung für Jesus Christus. Diese Entscheidung kann einem niemand abnehmen.
Eine Taufe für die Toten wird in der Bibel auch sonst nirgends erwähnt. So eine Praxis ist aus der Urgemeinde nicht bekannt, sondern kam erst viel später auf. Deshalb muss man sich fragen, ob dieser Text nicht anders verstanden werden sollte.
Manche Kommentatoren fordern beispielsweise eine andere Übersetzung. So steht das Wort „einige“ gar nicht im Grundtext, sondern wurde von manchen Übersetzern hinzugefügt. Außerdem hat Paulus seinen Brief damals ohne Satzzeichen geschrieben. (Diese wurden erst 1490 durch den italienischen Schriftsetzer Aldus Manutius in den griechischen Text eingefügt). Mit einer anderen Zeichensetzung wäre es denkbar, den Text so zu übersetzen:
„Was machen sonst, die sich taufen lassen? Es ist für die Toten, wenn die Toten nicht auferstehen. Warum lassen sie sich taufen für sie?“ Die Taufe ist ein Hinweis auf Sterben, Begrabenwerden und besonders die Auferstehung (Römer 6,3.4). Ohne Auferstehung hat sie keinen Sinn.
Der logische Zusammenhang der Gedankenführung des Paulus erfordert eine solche Übersetzung geradezu. Er zählt in 1. Korinther 15 auf, was alles seinen Sinn verlöre, wenn es keine Auferstehung gäbe:
Ludwig Albrecht übersetzt folgendermaßen: „Wäre es mit der Auferstehung der Toten nichts, welchen Nutzen hätten dann alle, die sich taufen lassen, von der Taufe für ihre sterblichen Leiber? Stehen die Toten überhaupt nicht auf, welchen Gewinn hat man dann von der Taufe für den sterblichen Leib?“ (Quelle: Ludwig Albrecht, „Das Neue Testament“, Brunnen-Verlag, 8. Aufl. Gießen und Basen 1957)
Der Text in 1. Korinther 15,29 ist kein Argument für die Praxis, sich stellvertretend für andere taufen zu lassen. Er besagt stattdessen, dass es nur deshalb Sinn ergibt, sich taufen zu lassen, weil es eine Auferstehung von den Toten gibt. Gäbe es diese nicht, wäre eine Taufe umsonst.
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